MMK: Ist das Kunst oder kann das weg?

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MMK in Frankfurt

Ihr Lieben, gestern war ich das erste Mal im Museum für Moderne Kunst in Frankfurt (MMK). Eigentlich bin ich ja lieber bei den alten italienischen Meistern aus der Frühen Neuzeit unterwegs, doch jetzt gegen Ende meines Masterstudiums wollte ich meinen Horizont noch einmal erweitern. Und ich war positiv überrascht!

Künstler im MMK:
MichaelAsher JoBaer JosephBeuys AlighieroBoetti MarcelBroodthaers A.K.Burns TonyCokes TonyConrad TraceyEmin JanaEuler Hans-PeterFeldmann Fischli/Weiss ParastouForouhar RyanGander Gilbert&George AnneImhof OnKawara MartinKippenberger OliverLaric ClaudeLelouch LiLiao BruceNauman OlafNicolai RomanOpalka BlinkyPalermo LaurieParsons AdrianPiper PamelaRosenkranz CameronRowland RobertRyman VictoriaSantaCruz Sturtevant RosemarieTrockel GvinTurk CyTwombly JeffWall

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Von links nach rechts: Parsons, Euler, Boetti

Ich war bereits begeistert, als ich den ersten Museumsraum des MMK betreten hatte und damit meine ich nicht das Foyer, sondern den ersten künstlerischen Raum. Man betritt einen Raum, der komplett weiß und clean wirkt und auch das Foyer sein könnte, da man mit den Augen vergebens nach einem Kunstwerk sucht. Der Clou ist, das der Raum oder das Kunstwerk nur mit einem anderen Sinnesorgan wahrgenommen werden kann: Der Haut. Läuft man mittig durch diesen Raum wird man von einem Windstoß nach vorne gepusht. Man spürt den Wind aufgrund der Anbringung des Lüftungsschachtes nur am Rücken und auf den Armen.

Ist das Kunst oder kann das weg?

Diese Frage habe ich mir früher oft gestellt, wenn ich mit zeitgenössischer oder Konzeptkunst konfrontiert worden bin. Ich muss zugeben, das mir der Gedanke auch heute noch bei einigen Werken kommt. Auch wir können einfache Bodenfliesen oder “Abfallprodukte” auf den Boden verteilen und es dann Kunst nennen mit dem Konzept: Befreiung oder breaking free. Beschäftigt man sich jedoch intensiver mit den Künstlern und ihren Werken merkt man schnell, dass doch einige richtig gut durchdachte Konzepte und Ideen hinter ihren Werken stecken. Man muss es nur beim Betrachten wissen!!! Boetti beispielsweise geht mit seinem Kunstwerk Pavimento gegen die bunte amerikanische Pop-Art-Bewegung vor, indem er mit “armen” beziehungsweise gewöhnlichen und natürlichen Materialien Kunst erschafft.

Boetti – Pavimento

Zu sehen sind 5 quadratische und gebrannte Tonplatten, die zusammen wiederum eine quadratische Fläche von 99,5 x 98 cm bilden. Die Platten haben einen sandigen Farbton, wobei jede Platte ihren eigenen, individuellen und natürlichen Farbton vorweist. An manchen Stellen sind dunkelbraune Flecken, schwarze Verfärbungen und Einkerbungen oder Beschädigungen zu sehen. Zudem weisen manche Platten abgenutzte Ecken vor und an manchen Stellen wirkt das Material besonders spröde, offen-porig und abgenutzt. Kurz: Die Platten zeigen Spuren einer natürlichen Benutzung. Ein natürliches Produkt, das für einen simplen und alltäglichen Zweck geschaffen wurde und vom Künstler letztendlich konzeptionell umgestaltet wurde.

Die aus einem natürlichen Material bestehenden Platten wurden vom Künstler so angeordnet, dass sie ein Quadrat ergeben. Betrachtet man das Kunstwerk genauer, so fällt einem auf, dass die Anordnung der Tonplatten die optische quadratische Ordnung, die durch die starre quadratische Umrandung zum Hintergrund entsteht, brechen. Es entstehen Spalten oder Ritze innerhalb des großen Quadrats, die eine leicht störende Unregelmäßigkeit in die geometrische Ordnung einführen. Dieser Eindruck wird zusätzlich durch die die vielen kleinen Tonplattenstückchen an den Seiten verstärkt.
Zusammengefasst spielt Boetti hier mit einem bereits sehr bekannten Objekt, nämlich der Bodenfliese und verleiht dieser neue Akzente, indem er die Platten schräg anordnet und so mehrere Spalten erhält, die nicht orthogonal auf die Seitenränder zulaufen. Somit führt er ein Element störender Unregelmäßigkeit in die geometrische Ordnung ein.

Das Kunstwerk spiegelt somit in meinen Augen Unordnung neben Ordnung, Individuum (also die einzelne Tonplatte) neben Kollektiv (neben dem großen Quadrat, das aus allen Tonplatten entsteht) und Irrtum neben Perfektion. Und das alles in einem Quadratmeter und aus einfachen Bodenplatten. Gut oder?

Mein Highlight

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Von Joseph Beuys

Dieses Werk von Joseph Beuys war mein Highlight der Ausstellung. Es sagt aus, das wir die Energie aus unserer Natur ziehen sollten und das die Natur das wichtigste Gut für uns sein sollte. Wir sollten sie mehr zu schätzen wissen und achtsamer mit ihr umgehen. Witzig finde ich, dass er eine Zitrone gewählt hat. Sie passt nicht nur farblich sehr gut, er spielt hier auch mit dem Witz, dass eine Batterie aus Säure besteht und daher statt einer Batterie lieber die Säure einer Zitrone für die Herstellung von Strom verwendet werden sollte. Genial!

Natürlich waren auch ein paar Kunstwerke dabei, die mir nicht gefallen haben oder die meiner Meinung nach ihre Message nicht deutlich oder gut rüber gebracht haben. Die Kunstwerke bei denen die Künstler nur provozieren wollen, haben mir am wenigsten zugesagt. Nichtsdestotrotz war ich froh, jetzt gegen Ende des Masterstudiums noch einmal meinen Horizont erweitert zu haben.

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